Energieberatung

Wozu Energieberatung?

Jeder sollte der Umwelt und dem eigenen Geldbeutel zuliebe versuchen, den Energieverbrauch seines Wohnraumes so gering wie möglich zu halten. Um hier Potenziale zu erkennen, sollte man (zumindest bei konkreten Vorhaben) die Hilfe eines Fachmanns in Anspruch nehmen.

Darüber hinaus gibt es aber auch komplexe rechtliche Anforderungen an das Energiesparen in Gebäuden, deren Erfüllung eine ausführliche Energieberatung oft unumgänglich machen.
Wer heute neu baut oder einen Altbau saniert, muss an seinem Gebäude die Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) erfüllen. Am Neubau müssen zusätzlich die Anforderungen des Erneuerbare-Energien-Wärmegesetzes (EEWärmeG) erfüllt werden, welches die Nutzung eines bestimmten Anteils erneuerbarer Energien zur Heizwärmebereitstellung vorschreibt.

In der EnEV sind für Wohngebäude und Nichtwohngebäude Anforderungen an die Wärmedämmung, an Fenster und Türen –sprich an die äußere Gebäudehülle- sowie an die Anlagentechnik im Haus festgelegt. Die Verordnung existiert seit 2002 und ihre Anforderungen wurden seitdem kontinuierlich verschärft. Denn die EnEV ist in Deutschland das Instrument zur Umsetzung der EU-Gebäuderichtlinie. Und die sieht vor, dass ab 2021 alle Neubauten in der EU als Niedrigstenergiegebäude gebaut werden, d.h. Passivhaus- oder Nullenergiehausstandard erfüllen. Für öffentliche Gebäude gilt diese Maßgabe sogar bereits ab 2019. Um sich diesem Standard anzunähern, verschärfen sich die Anforderungen der EnEV an Neubauten zum 01.01.2016 bereits wieder.
Unabhängig davon hat sich die Bundesregierung das Ziel gesetzt, dass der Gebäudebestand Deutschlands bis 2050 nahezu CO2-neutral sein soll.

Aufgrund dieser sehr dynamischen Situation bei den Mindestanforderungen an Gebäudehülle und Anlagentechnik ist eine Energieberatung im Vorfeld eines Bau- oder Sanierungsvorhabens sinnvoll oder sogar unerlässlich.
Während Architekten und Fertighausbauer bei Neubau in der Regel EnEV-gerechte Gebäude anbieten werden, ist für Privatleute, die ihren Altbau energetisch auf Vordermann bringen wollen, eine Energieberatung dringend zu empfehlen.

Welche Art der Energieberatung für Sie am sinnvollsten ist, können Sie anhand der nachfolgenden Informationen entscheiden.


Erstberatung

Die Energieerstberatung dauert in der Regel 30 Minuten bis zu 3 Stunden. Es handelt sich um eine grundsätzliche und allgemeine Beratung.  Sie macht beispielsweise Sinn,...

  • ...wenn Sie neu bauen wollen und noch keine konkrete Vorstellung von dem Energiekonzept Ihres Gebäudes haben. In einer Energieerstberatung bekommen Sie einen Überblick über mögliche Varianten.
  • ...wenn Sie Ihren Altbau sanieren wollen (und vielleicht noch unentschlossen sind). Sie erhalten durch die Erstberatung eine Einordnung des Energieverbrauchs Ihres Gebäudes und eine erste Abschätzung des Einsparpotenzials und des Aufwandes hierfür. In diesem Fall sollten Sie bei der Beratung immer Verbrauchswerte (Abrechnungen) Ihrer Heizung der letzten 3 Jahren dabei haben.
  • ...wenn Sie sich einfach nur Tipps zum Energiesparen im Haushalt einholen möchten oder Fragen zu Fördermöglichkeiten haben.

Für die Erstberatung gibt es verschiedene Möglichkeiten:

Energieberater  
Ein professioneller Energieberater kann Sie am besten beraten, da er Sie für die unabhängige Beratung in der Regel zuhause besuchen wird und sich dadurch einen fundierten Eindruck von der vorgefundenen Ausgangslage verschaffen kann. Der Preis für die Energieberatung ist Verhandlungssache. Es ist mit Kosten ab ca. 150 Euro für einen solchen Beratungstermin bei Ihnen zuhause zu rechnen.
Energieberater im Landkreis finden Sie beispielsweise über die Suchmaske des Energieberater Franken e.Vexterner Link.

Beratungsangebote des Landratsamtes 
Der Klimaschutzbeauftragte des Landkreises Main-Spessart bietet im Rahmen der Sprechtage des Bauamtes kostenlose Energieerstberatungen an. Ort und Zeit der Beratungen finden Sie hierexterner Link. Bitte melden Sie sich telefonisch, postalisch oder per Mail zu einem Termin Ihrer Wahl an. Unabhängig von diesen Sprechtagen, können Sie den Klimaschutzbeauftragten bei Fragen rund um das Thema energetische Sanierung jederzeit gerne kontaktieren.

Seit dem 1. Oktober 2016 fördert das Landratsamt Erstenergieberatungen durch einen Energieberater Ihrer Wahl bei Ihnen zuhause außerdem mit bis zu 100 Euro Zuschuss pro Beratung. Formulare und nähere Informationen finden Sie hierexterner Link.

Beratungsangebot der Verbaucherzentrale Bayern
Die Verbraucherzentrale bietet Energieberatungen für Wohnraum in unterschiedlichen Abstufungen und (da vom Bund gefördert) kostenlos bzw. gegen eine geringe Aufwandsentschädigung an. Hier externer Linkfinden Sie das Beratungsangebot der Verbraucherzentrale Bayern.

DBU „Energie-Check“ 
Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt bietet kostenlose Vor-Ort-Energieerstberatung durch  geschulte Handwerksbetriebe, Handwerker oder Architekten an. Nachteil dieses Angebots ist, dass die Unabhängigkeit der Berater nicht garantiert werden kann. Zum kostenlosen Energie-Check können Sie sich hier externer Linkanmelden.

Online-Angebote 
Im Internet finden sich kostenlose Online-Tools, in die Sie die Eckdaten (Brennstoffverbrauch, Heizungstechnik, Abmessungen) Ihres Hauses eingeben können. Als Ergebnis erhalten Sie Energiekennzahlen Ihres Gebäudes und deren Bewertung, errechnete Einsparpotentiale und eine Grobkostenabschätzung für die vorgeschlagenen Maßnahmen. Ein solches Online-Tool finden Sie beispielsweise auf co2-onlineexterner Link. Der Nachteil dieser „Selbstberatung“ liegt in mangelnder Überprüfbarkeit der Ergebnisse und dem unflexiblen Informationsgehalt. Trotzdem können die Ergebnisse aus dem Online-Tool als erste Orientierung vor einer angedachten Sanierungsmaßnahme hilfreich sein.


Vor-Ort-Beratung

Wenn Sie sich bereits zu einer Altbausanierung entschlossen haben, ist eine umfassende Vor-Ort-Energieberatung sehr sinnvoll. Zudem ist die Vor-Ort-Energieberatung Voraussetzung für die Förderfähigkeit der Sanierungsmaßnahmen durch bestimmte Förderprogramme, insbesondere der KfW. Bei der Vor-Ort-Energieberatung erfasst ein Energieberater bei Ihnen zuhause detailliert sämtliche Gebäudedaten und die Heizungsanlagentechnik. Auf dieser Grundlage erstellt er einen Bericht, der den vorgefundenen Bestand unter energetischen Gesichtspunkten bewertet und daraus Maßnahmen ableitet, welche Sanierungsmaßnahmen nach den Mindestanforderungen der aktuellen EnEV zwingend notwendig sind. Auch über EnEV-Niveau hinausgehende Maßnahmen werden beschrieben. Zu allen errechneten Varianten werden Wirtschaftlichkeitsbetarchtungen angestellt, die auch Fördermöglichkeiten beinhalten.

Kosten 
Die Bundesregierung fördert über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) jede Vor-Ort-Energieberatung mit einem Zuschuss in Höhe von 60% der Beratungskosten, maximal jedoch 800 Euro für Ein- und Zweifamilienhäuser. Beantragung und Abwicklung der Förderung übernimmt der Energieberater. Für eine Vor-Ort-Energieberatung für ein Ein- oder Zweifamilienhaus kann man mit Beratungskosten ab ca. 1.200 Euro rechnen. Die Beratungskosten für größere und komplexere Gebäude liegen in der Regel höher. Deshalb fördert das BAFA die Vor-Ort-Beratung für Gebäude ab drei Wohneinheiten mit 60% Zuschuss und maximal bis zu 1.100 Euro. Wenn der Experte den Energieberatungsbericht in einer Wohneigentümerversammlung erklärt, wird dies noch einmal mit bis zu 500 Euro gefördert. 
Voraussetzung für die Förderung ist, dass der Bauantrag für das Gebäude vor dem 31.01.2002 gestellt wurde, und dass der Energieberater in der Energieeffizienz-Expertenliste der denaexterner Link gelistet ist.


Baubegleitung bei Sanierungsmaßnahmen

Eine vorangehende Vor-Ort-Energieberatung durch einen in der Energieeffizienz-Expertenliste gelisteten Fachmann ist Voraussetzung für einige Förderprogramme wie z.B. die KfW-Programme Energieeffizient Bauen und Energieeffizient Sanieren (siehe Kapitel Förderungen). Sollen Sanierungsmaßnahmen durch diese Programme gefördert werden, ist mit der EnEV 2014 eine energetische Fachplanung und Baubegleitung durch den Energieberater verpflichtend eingeführt worden. Diese zusätzliche Beratungs- und Gutachterleistung wird durch das KfW-Programm 431externer Link mit 50% der Kosten und maximal 4.000 Euro bezuschusst. Andersherum wird die Baubegleitung nur dann gefördert, wenn eine Förderung aus den KfW-Programmen 151 für Komplettsanierung, 152 für Einzelmaßnahmen oder ein Zuschuss aus dem Programm 430 beantragt wird. Auch von der KfW refinanzierte Programme von Landesinstituten sind förderfähig.