Katastrophenfall aufgehoben – Pandemie aber noch nicht vorbei

10.06.2021

Nach sechs Monaten wurde am vergangenen Montag der Katastrophenfall für Bayern aufgrund der deutlich gesunkenen Corona-Fallzahlen aufgehoben. Damit kann auch die Führungsgruppe Katastrophenschutz am Landratsamt Main-Spessart erst einmal durchatmen. Die wöchentlichen Lagebesprechungen mit Vertreterinnen und Vertretern des Schulamtes, der niedergelassenen Ärzte, des Klinikums Main-Spessart, der Blaulichtorganisationen und der Bundeswehr werden ab sofort nur noch einmal im Monat stattfinden – solange sich die Lage weiterhin auf einem stabilen, niedrigen Niveau bewegt. Gänzlich darauf verzichten möchte man nicht. „Wir haben im vergangenen Jahr gesehen, wie schnell sich die Lage ändern kann und müssen jederzeit einsatzbereit sein. Die Pandemie ist durch die Aufhebung des Katastrophenfalls nicht einfach weg“, unterstreicht Landrätin Sabine Sitter die Notwendigkeit des regelmäßigen Austausches. Landratsamtsintern wird man deshalb auch an den wöchentlichen Besprechungen festhalten. 

7-Tage-Inzidenz bei 13,5   
Heute liegt der Landkreis Main-Spessart mit einer 7-Tage-Inzidenz von 13,5 den 11. Tag unter dem Schwellenwert von 35 und den 16. Tag unter 50. Damit befindet sich Main-Spessart sowohl unter dem bayerischen (21,9) als auch unter dem bundesdeutschen (19,3) Schnitt. Es gibt aktuell auch keine Ausbruchsgeschehen in Einrichtungen, die Lage in Alten- und Seniorenheimen ist entspannt.  

Gut angenommen wurden die Tests in den vergangenen Wochen, was zunächst dem notwendigen, negativen Testnachweis für den Besuch der Außengastronomie und Freizeiteinrichtungen geschuldet war. Nach dem Wegfall der Testpflicht, haben hier die Urlauber in Main-Spessart zu Buche geschlagen, denn sie mussten bis Inkrafttreten der neuen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung am vergangenen Montag bei einem Aufenthalt in einem Beherbergungsbetrieb alle zwei Tage einen Test vornehmen lassen. Auch diese Vorschrift wurde inzwischen zurückgenommen. 

Sehr positiv wurde die Sonder-Impfaktion mit 800 Dosen des Impfstoffs von AstraZeneca vergangenen Freitag im Impfzentrum in Lohr angenommen. Erstmals seit Beginn der Impfkampagne fuhr das Zentrum unter voller Auslastung, denn insgesamt konnten an diesem Tag einschließlich der 500 Zweitimpfungen rund 1.300 Impfungen vorgenommen werden. Das Team des Impfzentrums war so lange im Einsatz, bis alle Dosen verimpft waren. “Die Stimmung vor Ort war entspannt und die Wartenden sehr geduldig“, lobt Florian Schüßler, BRK-Projektleiter des Impfzentrums. Viele Menschen hatten sich bereits lange vor Start der Aktion vor dem Impfzentrum eingereiht, denn es wurde in der Reihenfolge des Eintreffens geimpft. Eine telefonische Anmeldung war aufgrund der Softwareumstellung des Registrierungsportals von BayImco durch das Bayerische Staatsministeriums leider nicht möglich. Inzwischen hat das Impfzentrum in Lohr die Marke von 50.000 überschritten, die niedergelassenen Ärzte im Landkreis die Marke von 25.000. Leider muss das Impfzentrum aber aufgrund von Impfstoffmangel in dieser Woche erneut schließen. Von Freitag, 11. Juni bis Sonntag, 13. Juni bleiben die Türen geschlossen. Schwerpunktmäßig werden derzeit im Impfzentrum Zweitimpfungen vorgenommen, Erstimpfungen nur vereinzelt. Mit diesen wird es voraussichtlich erst Ende Juni wieder weitergehen können. 

Auch in den Hausarztpraxen sind die Impflieferungen nach wie vor unzuverlässig, wie die Koordinierende Ärztin Dr. Petra Gehrsitz berichtete. Informationen, welcher Impfstoff in welchen Mengen geliefert werde, kämen sehr kurzfristig, was einen sehr hohen organisatorischen Aufwand nach sich ziehe. Und die maximal mögliche Menge an Impfstoff, die bestellt werden kann, habe ihre Praxis noch nie erhalten. Gehrsitz zeigte sich überrascht, dass die Sonder-Impfaktion des Landkreises so gut angenommen wurde. In ihrer Praxis findet dieser Impfstoff keine Abnehmer. 

Viele Anfragen erreichen das Landratsamt derzeit wegen der Ausgabe des digitalen Impfpasses. Hierzu liegen laut dem Verwaltungsleiter des Impfzentrums, Andreas Hafenrichter, noch keine näheren Informationen vor.  

Und auch was Veranstaltungen und private Feiern anbelangt, gibt es noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Mit der neuen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung sind in Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer 7-Tage-Inzidenz bis 50 private Veranstaltungen aus besonderem Anlass und mit einem von Anfang an begrenzten und geladenen Personenkreis wie Geburtstags-, Hochzeits- oder Tauffeiern und Vereinssitzungen wieder erlaubt. Zulässig sind bis zu 50 Personen in geschlossenen Räumen und bis zu 100 Personen unter freiem Himmel, zuzüglich geimpfter oder genesener Personen.  

„Ich freue mich sehr, dass die Menschen in Main-Spessart nun wieder mehr Freiheiten haben. Ich hoffe aber, dass sie verantwortungsvoll damit umgehen, damit unsere Corona-Fallzahlen stabil auf einem niedrigen Wert bleiben und wir dauerhaft wieder zu einem normalen Leben zurückkehren können“, appelliert Landrätin Sabine Sitter an die Bevölkerung.