Steigende Infektionszahlen in Main-Spessart werden mit Besorgnis beobachtet

10.03.2021
Seit rund zwei Wochen steigen die Infektionszahlen in Main-Spessart wieder an. Hatte der Landkreis am 25. Februar noch eine erfreulich niedrige Inzidenz von 21,4, so liegt diese inzwischen bei 70 (Stand: 9. März). Das ist besorgniserregend! Doch wo liegen die Ursachen dafür?

„Die Menschen wollen eine einfache Antwort, aber die gibt es leider nicht“, erklärt die Leiterin des Staatlichen Gesundheitsamtes Main-Spessart, Dr. Nicole Eberbach. „Es gibt nicht die eine Ursache oder den einen Infektionsherd, der dafür verantwortlich ist.“  Nach wie vor hat es das Gesundheitsamt mit einem diffusen Ausbruchsgeschehen zu tun, heißt, die Ansteckungswege sind breit gestreut und auch nicht immer nachvollziehbar.

Die Lage in den Alten- und Pflegeheimen ist derzeit entspannt. Und auch am Klinikum Main-Spessart gibt es kein Ausbruchsgeschehen. Dagegen sind nun vermehrt Mitarbeiter von Betrieben, aber auch Schulen und Kindergärten betroffen. Derzeit wurden in sechs Kitas und vier Grundschulen positive Fälle gemeldet. Dass hier mehr Fälle auftreten, liegt in der Natur der Sache: Wo mehr Menschen zusammenkommen, ist auch die Gefahr der Verbreitung des Virus höher. Das gilt gleichermaßen natürlich auch für den privaten Bereich. Die Anzahl und Häufigkeit dieser Kontakte hat dabei jeder selbst in der Hand!

Vielfach wird in der Bevölkerung angenommen, dass die gestiegenen Fallzahlen in einem unmittelbaren Zusammenhang mit der Anzahl der durchgeführten Tests stehen: Wer mehr testet, findet auch mehr. Zum Teil mag dies stimmen, aber derzeit werden die Infizierten Personen überwiegend durch Krankheitsfälle entdeckt. Zudem sind auch in anderen unterfränkischen Landkreisen ebenfalls wieder steigende Fallzahlen zu beobachten.

Was allerdings augenfällig ist: Rund 75 % der aktiven Corona-Fälle weisen eine Mutation auf. „Und wenn die britische Variante im Spiel ist, gibt es fast immer Folgefälle“, weiß die Leiterin des Staatlichen Gesundheitsamtes Main-Spessart, Dr. Nicole Eberbach. Denn diese verbreite sich deutlich schneller. Hier baut das Gesundheitsamt auf das Verantwortungsbewusstsein jedes Einzelnen. Auf Grundlage der bayernweit geltenden Infektionsschutzmaßnahmenverordnung gibt es seit dieser Woche zwar einige Lockerungen, sowohl was die Kontaktbeschränkungen als auch die Öffnung des Einzelhandels anbelangt. „Aber wir müssen weiterhin extrem achtsam sein“, so Eberbach.

Genau dies scheinen viele Menschen gerade nicht (mehr) zu tun. Gerade bei schönem Wetter wie an den vergangenen Wochenenden musste die Polizei die Menschen immer wieder darauf hinweisen, Abstand zu halten und Masken zu tragen. „Nicht immer stoßen wir dabei leider auf Verständnis. Da ist zum Teil viel Überzeugungsarbeit zu leisten“, berichtet Matthias Rauscher, stellvertretender Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Karlstadt. Dabei kostet es inzwischen 250 €, wenn gegen die Maskenpflicht verstoßen wird. 

Landrätin Sabine Sitter hat Verständnis, dass es die Menschen leid sind, Abstands- und Hygienevorschriften zu beachten, Kontakte einzuschränken und auf Freizeitaktivitäten zu verzichten. „Das geht uns allen an die Substanz und manchem Unternehmer oder Kulturschaffenden an die Existenz“, unterstreicht Sitter. Aber die Infektionszahlen ließen sich nur dann dauerhaft senken, wenn alle mitmachen und sich umsichtig verhalten. Das fange bei den privaten Kontakten an und schließe die Bereitschaft, sich vermehrt testen zu lassen, mit ein: „Machen Sie von unserem Testangebot Gebrauch. Es steht allen offen!“

Testmöglichkeiten stehen kostenlos zur Verfügung
Nach wie vor gibt es die Möglichkeit, sich am Testzentrum in Marktheidenfeld kostenlos testen zu lassen. Anmeldungen sind dafür sowohl online unter www.termin.klinikum-msp.deexterner Link als auch telefonisch von Montag bis Freitag 8.30 Uhr bis 15 Uhr unter 0 93 91 / 502 – 22 20 möglich. Sollte online kein Termin mehr verfügbar sein, lohnt es sich in jedem Fall telefonisch nachzufragen, da sich kurzfristig freie Kapazitäten ergeben können. Das Testzentrum selbst ist von Montag bis Freitag geöffnet, Samstag, Sonntag und an Feiertagen geschlossen.

Darüber hinaus bieten auch viele niedergelassene Ärzte Testmöglichkeiten an. Seit dieser Woche können Arztpraxen zudem im Rahmen der sogenannten Bürgertestung allen Personen mit Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland einmal wöchentlich einen kostenlosen Schnelltest anbieten.

AstraZeneca nun auch für die Über-80-Jährigen zugelassen
Mehr Testen ist umso wichtiger, so lange die Impfungen nicht weiter vorangeschritten und die besonders verletzlichen Personengruppen geschützt sind. Nachdem der Impfstoff AstraZeneca nunmehr auch für die Über-80-Jährigen zugelassen wurde, werden die Impfungen für diese Personengruppe nochmals deutlich an Fahrt aufnehmen. Damit müssen sich nun aber die nachfolgenden Priorisierungsgruppen 2 und 3 wie z.B. Lehrer und Erzieher wieder etwas gedulden, bis sie an der Reihe sind. Diese waren in den vergangenen Wochen zum Zuge gekommen, nachdem dieser Impfstoff nicht an Über-64-Jährige der Priorisierungsgruppe 1 verimpft werden konnte. „Es ist in unserem Land der erklärte Wille, dass immer die besonders gefährdeten Menschen zuerst geimpft werden. Deshalb richten wir uns hier strikt nach den bundeseinheitlichen Vorgaben der Coronavirus-Impfverordnung und den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission“, erklärt Sabine Sitter.

Inzwischen wurden rund 12.250 Impfungen im Landkreis verabreicht, davon etwa 8.650 Erstimpfungen (Stand:9.März). Die Impfung der Bewohnerinnen und Bewohner sowie des Personals in den Alten- und Pflegeheimen wurde abgeschlossen. Die wöchentlich bereitgestellten Impfstoffe werden im Impfzentrum in Lohr stets umgehend verimpft. „Hier liegt kein Impfstoff auf Halde. Wir könnten sofort mehr Impfdosen verabreichen, wenn uns mehr Impfstoff zur Verfügung stünde“, unterstreicht der Leiter des Impfzentrums Florian Schüßler. Schon jetzt werden pro Tag deutlich mehr Impfungen vorgenommen, als die ursprünglich vom Bayerischen Gesundheitsministerium vorgegebene Zahl von 300. Eine Erweiterung der Kapazitäten wäre jederzeit möglich, wenn mehr Impfstoff bereitstünde. Erst ab April ist aber mehr Impfstoff angekündigt. Das Impfzentrum ist darauf vorbereitet.